#Kolumne - Subway Stories #1


Ich spiele Tetris. Jeden Morgen. In der U-Bahn. In meinem Kopf. Ich sortiere, die Menschen in den Wagon. Überlege, wie noch mehr hineinpassen würden.

Ich beobachte die Menschen. Denke mir Geschichten über sie aus.

Da ist das Mädchen mit dem Koffer, das nach einer Station wieder aussteigt. Keine Fernverbindung, kein Flughafen in der Nähe. Wo sie wohl hin will?

Da ist der nette Typ, der mir vor dem Aussteigen seinen Platz anbietet.

Da ist das knutschende Pärchen, das sich am Bahnsteig überschwänglich verabschiedet. Er dreht sich auf dem Weg zum Zug dreimal um. Tänzelnd auf die Tür zu. Schwebt quasi. Ich muss lächeln.

Da ist der alte Mann, der seine Wangen von innen kaut und plötzlich "Eins!" ruft. Alle schauen ihn an. Er hält sich an einer zusammengeknoteten Plastiktüte fest. Er tut mir leid.

Da ist das Mädchen mit dem roten Rock. Links von mir. Sie hat Kopfhörer in den Ohren. Die Augen geschlossen. Wovon Sie wohl träumt?

Ich muss aussteigen. Bin angekommen. Nachher spiele ich weiter. Tetris. Wie jeden Tag.




Kommentare

  1. Cool geschrieben!
    Wenn ich denn mal Straßenbahn fahre, beobachte ich auch sehr gern die Menschen. Das ist das reale Leben.

    Liebe Grüße und eine schöne Adventszeit,
    Simone

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    1. Liebe Simone, ich habe wirklich lange überlegt, ob ich den Text hochladen soll, bin dann aber mal über meinen Schatten gesprungen. Dir auch eine schöne Adventszeit!

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  2. Du bist ja ein kleiner Poet! Gefällt mir sehr - da möchte ich fast auch jeden Morgen Ubahn fahren :-*

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    1. Danke :*. Ich versuche mal mehr aus dieser Kategorie auf den Blog zu bringen :).

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